Bremsen am Einrad – ein Überblick

Da immer mal wieder technische Fragen zum Anbau oder zur Nachrüstung von Bremsen am Einrad an mich herangetragen werden, möchte ich hier einen kleinen Überblick darüber geben, welche Möglichkeiten es gibt, wie sie funktionieren und ob und wie man sie anbauen kann.

Bremse am Einrad, braucht man das?

Wo man aus eigener Kraft hinaufgekommen ist, kommt man doch auch aus eigener Kraft wieder herunter, oder?  … Ja. Ja, das tut man. Es geht ohne Bremse – zwingend nötig ist sie nicht. Und trotzdem bietet sie ein paar entscheidende Vorteile:

  • Krafteinsparung – Ganz klar, man muss bergab nicht mehr nur mit den Beinen bremsen. Das schont die Oberschenkel und die Knie und verlängert die mögliche Tourlänge.
  • Steilere Abfahrten – Da, wo sonst die Beine an ihre Grenzen stoßen, kann es mit Bremse ruhig noch ein wenig steiler sein.
  • Hindernisse bergab einfacher überwinden – Auf der Geraden ist es einfach mit den Wurzeln: man tritt eh schon mit der Kraft vorwärts und muss einfach noch ein klein wenig stärker in die Pedale treten. Bergab sieht es da schwieriger aus. Obwohl man vorwärts tritt, geht die Kraft auf die hintere Pedale zum Bremsen. An der Wurzel muss man nun locker lassen um drüber zu kommen oder sogar vorn rein treten, nur um danach sofort wieder mit dem hinteren Fuß zu drücken. Mit einer Bremse kann man sich hier den Berg zur eben machen und alles fährt sich wie im Flachen – ganz ohne Kraftrichtungsumkehr.

Welche Systeme gibt es?

Es gibt zwei Arten von Bremsen: Felgenbremsen und Scheibenbremsen. Grundsätzlich gibt es beides als mechanische (Bowdenzug) und hydraulische Bremse, im Einradsport sind aber hauptsächlich hydraulische Bremsen im Einsatz. Sowohl Felgenbremse als auch Scheibenbremse haben vor und Nachteile, der Trend geht aber klar in Richtung Scheibenbremse. Felgenbremsen sind meist preiswerter und vom Laien teils einfacher zu installieren, haben aber ein paar große Nachteile:

  • Die Felge verschmutzt schnell (besonders bei Schmuddelwetter), das reduziert die Bremskraft teils drastisch
  • Die Felge muss exakt zentriert sein, sonst schleift die Bremse oder es bremst ungleichmäßig.
  • Die Reibungshitze wirkt auf die Felge und damit auf den Schlauch
  • Schlechter dosierbar
  • weniger Bremskraft

Trotzdem sind Felgenbremsen nicht per se Schlecht. Wer keinen Downhill fahren will, kann auch mit einer Felgenbremse viel Freude haben.

Anbau des Bremshebels

Der Anbau des Bremshebels ist unabhängig vom gewählten System. Es gibt verschiedene Anbaupositionen.

Wer am Sattel nur den Standardgriff hat, montiert den Bremshebel direkt unter dem Sattel. Den passenden Adapter (Bremsgriffhalter) gibt es beim Einradhändler eures Vertrauens von Qu-Ax, Kris Holm oder Nimbus, die Adapter nehmen sich nicht viel. Hier Bilder von Kris Holm:

Damit steht dann aber der Bremsgriff gerade nach vorn und lässt sich mit dem Finger nicht allzu schön greifen. Abhilfe schafft da eine Bremsgrifferweiterung. Der KH Spooner (links) passt nur für Magura HS11/33 Bremshebel, der KH Starfighter (2. v. l.) für alle anderen. Ebenfalls beliebt sind abgesägte Bremsgriffverlängerungen wie sie in den 90ern bei MTBs mit Lenkerhörnchen üblich waren (rechts).

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Wer einen Lenker (T-Bar/ Q-Bar/ Pi-Bar/ Shadow Handle) hat, kann die Bremse gleich an den Lenker bauen, eine Bremsgrifferweiterung ist hier nicht notwendig, da hier die Griffposition günstiger ist.

Anbau einer Felgenbremse

Um eine Felgenbremse montieren zu können, muss die Gabel eine entsprechende Bremsaufnahme haben. Die meisten Gabeln mit Felgenbremsaufnahme haben sogenannte Magura Mounts, Aufnahmen für hydraulische Felgenbremsen von Magura. Aufnahmen für V-Brakes oder Cantilever gibt es (bis auf wenige Ausnahmen) praktisch nicht. Außerdem sollte die Felge eine Bremsflanke haben. Ist beides vorhanden ist der Anbau ein Kinderspiel. Wenn nicht ist es nahezu Chancenlos.

Anbau einer Scheibenbremse

Bei Scheibenbremsen wird zwischen Systemen mit innenliegender und außenliegender Bremsscheibe unterschieden. Bei innenliegender Bremsscheibe wird die Scheibe an der Nabe befestigt, genau wie beim Fahrrad, bei außenliegender Bremsscheibe sitzt die Scheibe an der Kurbel, genau wie das Kettenblatt beim Fahrrad. Innenliegende Bremsen werden links montiert, außenliegende rechts. Was besser ist, darüber lässt sich streiten. Innenliegende Scheiben sind besser vor Beschädigung geschützt und man kann sich nicht so leicht dran verletzen. Dafür muss aber das Laufrad asymmetrisch eingespeicht werden und der Ausbau der Scheibe ist komplizierter. Ist keine spezielle Nabe mit Bremsscheibenaufnahme vorhanden, entfällt diese Variante sowieso. Eine außenliegende Bremsscheibe kann man mit KH Spirit Kurbeln an so ziemlich jedem Rad nachrüsten.

Hat die Gabel eine Scheibenbremsaufnahme, kann die Bremse direkt daran geschraubt werden. Hier ist aber wieder darauf zu achten: innenliegende Bremsen werden links, außenliegende rechts montiert. Die Bremse zeigt stets nach hinten. Somit legt auch die Gabel die Wahl des Systems fest.

Ist an der Gabel keine Bremsaufnahme vorhanden, kann ein Adapter von Nimbus benutzt werden: der d’Brake. Dieser ersetzt die untere Lagerschale und kann sowohl für innen- (links) wie auch für außenliegende (rechts) Bremsscheiben verwendet werden. Er muss aber an der Seite wo der Arm für die Bremse sitzt (hintere Schraube) fest und vor allem vollflächig auf der Gabel aufliegen, sonst sind Defekte vorprogrammiert. Bei manchen Gabeln passt das auf Anhieb, bei anderen leider nicht. Bei den meisten Alugabeln mit gefrästen Lagerschalen passt es sehr gut. Bleibt doch ein schräger Spalt, muss ein dünnes Blech oder eine Unterlegscheibe zwischengelegt werden (z.B. QX Gabeln).

Bei Stahlgabeln mit Lagerschalen aus Blech muss zusätzlich eine plane Auflagefläche geschaffen werden. Das kann entweder mit Unterlegscheiben erfolgen oder mit einem Adapter den man sich herstellt. Damit bekommt man eigentlich an jede Gabel nachträglich eine Scheibenbremse.

Einen großen Nachteil hat der d’Brake aber: er ist nicht so stabil wie eine Scheibenbremsaufnahme die direkt an die Gabel geschweißt ist und kann zu Schwingungen neigen. Hier kann aber eine sogenannte „Hugo-Strebe“ Abhilfe schaffen, eine Strebe, die man aus herkömmlichem Rohr fertigen kann und die den d’Brake zur Gabel hin abstützt.


Beim Klick auf die meisten Bilder gibt’s mehr Infos.

Viel Spaß beim Nachbau! Bei Fragen meldet euch einfach …

Weitere Informationen zu Scheibenbremsen hat auch municycle.com in seinem Blog zusammengestellt: Einblicke in die Technik von Scheibenbremsen am Einrad

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