Neue Rad- und Reifengrößen – ein Überblick

Die Auswahl an Rad- und Reifengrößen hat sich in letzter Zeit mal wieder vergrößert. Manch einer wird sich vielleicht freuen, manche sind vielleicht auch verwirrt und wieder andere tun  das nur als reine Marketingaktion der Fahrradindustrie ab. Fahrradindustrie ist in dem Falle ein gutes Stichwort, denn letztendlich hängen wir mit unserer Reifenauswahl von den Fahrradherstellern ab. Kaum ein Reifen wird extra fürs Einrad produziert. Reifengrößen, die gerade bei den Fahrradfahrern im Trend liegen, bieten dann meist eine bessere Auswahl als Größen, die es im Zweiradbereich eher selten gibt. Das Spektrum an Radgrößen ist ist beim Einrad aber sowieso größer, da die Radgröße unsere Übersetzung bestimmt, während die Fahrradfahrer einfach die Gänge wechseln können. Somit sind Reifengrößen, die bei uns typisch sind teilweise im Fahrradbereich absolute Exoten.

Die etablierten Größen

Seit viele Jahre sind die Standardgrößen im Einradfahren 20″, 24″, 26″, 28″/29″ und 36″, für Kinder auch 18″ und 16″. Als Exot gibt es noch 12″ für die ganz kleinen, oder für lustige Darbietungen. Über die unterschiedlichen Reifenbreiten gibt es hier schon eine breite Vielfalt. Standardeinräder haben meist so um die 1.75″ bis 2.1″ Reifenbreite. Rennhexen liegen bei circa 1″. Trialräder haben 2.5″ bis 3″ breite Reifen, 24″ und 26″ Munis haben meist 3″ und 29″ Munis typischerweise  2.4″.

Zusammenhang zwischen Felgengröße, Reifenbreite und Raddurchmesser

Je nach Reifenbreite ergibt sich auf ein und dem selben Felgendurchmesser ein anderer Außendurchmesser des Rades. Besonders deutlich wird das bei den 26ern. Allen 26ern gemein ist ein Felgendurchmesser von 559mm. Die typische Reifenbreite für Standardeinräder (z.B. Qu-Ax Luxus) liegt so um die 1.75″ bis 2″, damit ergibt sich auch tatsächlich ein Außendurchmesser des Rades von um die 26″. Wer lieber abseits der Straßen fährt, wird vielleicht einen Mountainbikereifen fahren, die liegen meist um die 2.1″ bis 2.4″ und sind nicht viel größer. Der typische Geländereifen ist eigentlich der Duro Wildlife Leopard. Mit seinen 3″ breite ist er aber im Außendurchmesser schon zwischen 27″ und 28″ groß. Seit der Nokian Gazzaloddi nicht mehr produziert wurde, war er aber der einzige Reifen in dieser Dimension und in der Fahrradwelt ein absoluter Exot. Das krasse Gegenteil sind da die Reifen der Rennhexen. Mit 1″ Breite sind sie im Außendurchmesser so klein, dass sie in das Reglement der 24″ Klasse fallen.

Deutlich wird der Zusammenhang auch in der 20″ Größe: Die Standardräder (z.B. Anfängerräder oder Freestyle)  haben Reifenbreiten um die 1.75″ bis 2.1″. Einräder für Trial haben trotz ihrer 2.5″ bis 3″ breiten Reifen in etwa den gleichen Außendurchmesser, nutzen dafür aber 19″ Felgen (387mm) statt der üblichen 20″ Felgen mit 406mm. Trialräder mit 20″ Felgen sind im Außendurchmesser größer.

Die nachfolgende Übersicht zeigt die typischen etablierten Rad- und Reifengrößen. Schön zu erkennen: ein und der selbe Felgendurchmesser (gleiche Farbe) kann die unterschiedlichsten Außendurchmesser haben, je nach Reifenbreite. Und ein gleicher Außendurchmesser lässt sich durch unterschiedliche Reifenbreiten mit unterschiedlichen Felgengrößen erreichen, mit mehr oder weniger Federung.

Radgrößen_alt

Die neuen Größen

Während Mountainbikereifen jahrelang 26″ hatten und immer schmaler geworden sind (verringerter Rollwiderstand auf ebenen festen Böden) ging der Trend vor ein paar Jahren auf einmal zu größeren Radgrößen wie 29″ und später auch 27.5″ (besseres Überrollverhalten über Hindernisse). 29″ gab’s da im Einradsport schon lange. Jetzt geht der Trend vor allem in die Breite (mehr Federung des Reifens). Erst kamen die schweren FAT-Bikes, nun sind die Plus-Größen voll im Trend. Fatbikes liegen um die 3.7 bis 5″ Reifenbreite. Die „neuen“ Plus-Größen um die 3″ (2.8″ bis 3.5″). Was hier im Fahrradbereich als die Neuerfindung des Rades beworben wird, ist im Einradbereich schon lange Standard, wenn man bedenkt, wie lange wir schon 3″ Duro Reifen auf den Munis fahren. Nach dieser neuen Bezeichnung wären die typischen Munigrößen 24+ und 26+.

Diese Neuerungen gehen natürlich auch am Einradmarkt nicht vorbei. Mit dem Oregon brachte Nimbus vor geraumer Zeit ein Einrad im FAT Format heraus, zuvor gab es auch schon das Conundrum von Surly. 2014 brachte Qu-Ax als erster Hersteller sein Muni in 27.5″ heraus. Vor kurzem folgte dann die 27.5+ Variante. Jetzt zieht auch Kris Holm mit einem 27.5+ Muni nach, das KH 29 ist auf seinem Knard Reifen inzwischen auch im Plus Format (29+) angekommen. Das Nimbus Oracle ist bald auch in 27.5″ erhältlich. Eine ganz neue Größe gibt es demnächst ebenfalls von Nimbus: das 32″ Einrad.

Das Nimbus Oracle ist bald in 6 Größen erhältlich

Grau gedruckte Größen in der nachfolgenden Tabelle gibt es nicht als fertige Einräder zu kaufen, kann man sich aber auch zusammenbauen. Interessant ist hier die Größe 22″ als Kompromiss zwischen 20″ und 24″ beim Hockey, die Reifenauswahl ist hier aber stark limitiert.

Radgrößen

Was bringen mir die neuen Größen? Reine Marketingmaßnahme oder sinnvoll?

Die Fahrradhersteller bewerben ihre „neuen“ Größen gern als die Neuerfindung des Rades. Vieles ist nicht wirklich neu, manches ist nur neu kombiniert, einiges gab es im Einradsport schon lange (siehe Plus-Größen).

27.5-29

27.5+ Reifen in 29″ Gabel

Für den Einradfahrer sind die neuen Größen vor allem Lückenschließer (abgesehen von den FAT Formaten). Wem bisher das 26″ Muni zu klein war, der konnte nur auf das 29″ Muni wechseln, musste dann aber auf Federung verzichten, da die 29er nur 2.4″ Reifen hatten. Jetzt gibt das Format 27.5+ die Möglichkeit, ein Rad vom Durchmesser eines 29er zu fahren, mit der Reifenbreite des typischen 26er Munis (3″). Und das beste: es passt in eine 29er Gabel. Wer noch mehr Federweg will, kann den gleichen Außendurchmesser sogar mit einem 26er (FAT) erreichen. Nachteil der FAT Reifen ist neben ihrem hohen Gewicht aber auch ihr Rollwiderstand und das teilweise schwere und unpräzise Handling. Außerdem hat sich die Lücke zwischen dem 29″ und dem 36″ etwas geschlossen, sowohl mit dem 29+ als auch mit dem 32″. Die normalen 27.5″ schließen bei den Cross Country Munis die Lücke zwischen den 26ern und den 29ern. Die Auswahl für Munireifen hat sich aber auch in den bekannten Größen enorm verbessert. Es kann also durchaus sinnvoll sein, eine der neuen Größen zu wählen, wenn sie den individuellen Ansprüchen gerecht wird.

Wem die Tabelle zu abstrakt ist, dem bietet diese anschauliche Darstellung der Firma Jamis eine schöne Übersicht über die Größen der neuen Formate.

Weitere Infos zum Thema Reifen gibt es auch im Municycle.com Blog:
Wissenswertes über Reifen am Einrad

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